Stundensatz im Handwerk berechnen: der Weg von unten
Die meisten Betriebe kennen ihren Stundensatz aus der Umgebung: was der Nachbarbetrieb nimmt, was der Kunde akzeptiert, was letztes Jahr auch schon draufstand. Das funktioniert, bis es nicht mehr funktioniert — und dann ist die Ursache nie eine einzelne Baustelle, sondern ein Satz, der nie gerechnet wurde.
Der Fehler steckt fast immer bei den Stunden, nicht bei den Kosten
Ein Monteur mit einer Vierzigstundenwoche arbeitet keine vierzig verkaufbaren Stunden. Urlaub, Krankheit, Feiertage, Fortbildung, Fahrten, Material holen, Aufräumen, Besprechungen — was übrig bleibt, sind die produktiven Stunden, und die liegen in den meisten Betrieben deutlich unter dem, was gerechnet wird. Wer seine Gesamtkosten durch zu viele Stunden teilt, bekommt einen zu niedrigen Satz und merkt es erst am Jahresabschluss.
Diese Zahl lässt sich nicht schätzen, nur messen. Buchen Ihre Monteure ihre Zeit auf den Auftrag, dann sehen Sie nach einem Quartal, wie viel Prozent der bezahlten Zeit tatsächlich auf Kundenaufträgen gelandet ist.
Was in den Satz gehört
- Bruttolohn plus Arbeitgeberanteile und die Umlagen.
- Fahrzeug, Werkzeug, Arbeitskleidung und Prüfmittel.
- Anteil an Miete, Versicherungen, Software, Steuerberatung und Verwaltung.
- Fortbildung und die Zeit, die dafür draufgeht.
- Ein Zuschlag für das unternehmerische Risiko — Gewährleistung, Ausfall, Forderungsausfall.
- Und dann erst der Gewinn.
Welche Beiträge und Umlagen für Ihren Betrieb genau anfallen und wie hoch sie sind, hängt von Branche, Tarifbindung und Sozialkassen ab: [PLACEHOLDER]. Das ist ein Gespräch mit Ihrer Steuerberatung, und es lohnt sich einmal im Jahr.
Ein Satz reicht nicht
Montage, Fahrtzeit, Aufmaß und Notdienst haben unterschiedliche Kosten und unterschiedliche Marktpreise. Ein Mischsatz für alles verschiebt Geld zwischen den Leistungsarten, bis Sie nicht mehr sehen, welche davon sich trägt. Rechnen Sie je Leistungsart, auch wenn Sie am Ende nur zwei Sätze auf dem Angebot ausweisen.
Nachher nachrechnen
Der wertvollste Teil kommt hinterher. Legen Sie die kalkulierten Stunden neben die gebuchten. Dauert eine bestimmte Art Auftrag regelmäßig anderthalb Stunden länger als angesetzt, ist das kein Pech — dann stimmt Ihr Ansatz nicht. Das lässt sich nur an Zahlen erkennen, und nur wenn die Zeit auf den Auftrag gebucht wird und nicht auf die Woche.
Und der Preis?
Der gerechnete Satz ist Ihre Untergrenze, nicht Ihr Preis. Was der Markt trägt, ist eine andere Frage. Aber Sie können sie erst stellen, wenn Sie wissen, wo unten ist.
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